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Konsequenz ist die Eigenschaft des Esels

Italienisches Sprichwort

 

 

a42.org ist ein zweijähriger Aufbaustudiengang an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg mit den Schwerpunkten Architektur und Stadtforschung. Der Studiengang kann abhängig von der Qualifikation der Bewerber >> mit dem Titel Master of Architecture oder Master of Arts abgeschlossen werden.

 

Der Studiengang begreift sich als forschende Einrichtung und vertritt keine geschlossene Lehrmeinung.

 

Im Rahmen eines gemeinschaftlichen Projektes werden von den Teilnehmern individuelle Themenschwerpunkte über 2 Jahre kontinuierlich definiert und entwickelt. Die Arbeiten münden einerseits in eine wissenschaftliche Arbeit, die Thesis, sowie das Abschlussprojekt. Die Projekte werden begleitet von Seminaren zur Architekturtheorie und Planungsmethodik, zur Kunstheorie und Philosophie zur wirtschaftlichen Selbständigkeit und der Vortragsreihe “Diskurskontinuum” (kurz: Disko). Weiterhin steht der Studiengang über die Workshopreihe “Transfer” im Austausch mit Denk- und Arbeitsmodellen anderer Disziplinen. Eine wechselnde Gastprofessur sucht die kontinuierliche thematische Erneuerung der Lehrinhalte und Arbeitsansätze. Der Studiengang mit einer “Sollstärke” von maximal 20 Studenten verfügt über eine Infrastruktur, die neben einem Arbeitsplatz mit Netzwerkanschluss, 3D-Printer, Lasercutter, Plotter, Werkstatt etc. auch eine umfangreiche Handbibliothek beinhaltet. a42.org / master of architecture ist Herausgeber der Schriftenreihe “Disko”, die Arbeitsergebnisse der Teilnehmer und aus dem weiteren Umfeld des Lehrstuhls in regelmässigen Abständen dokumentiert.

 

 

 

 

Anhang 1

 

Wissen, Weisheit, Erfolg

Ein 10-teiliges Fragment

 

"Die dem Studenten, dem Spieler, dem Flaneur gemeinsame Spontaneität ist vielleicht die des Jägers, will sagen, der ältesten Art von Arbeit, die von allen mit dem Müßiggang am engsten verflochten sein dürfte." Walter Benjamin

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"Unser Hauptgedanke ist der einer Konstruktion von Situationen - d. h. der konkreten Konstruktion kurzfristiger Lebensumgebungen und ihrer Umgestaltung in eine höhere Qualität der Leidenschaft. Wir müssen eine geordnete Intervention in die komplizierten Faktoren zweier großer, sich ständig gegenseitig beeinflussender Komponenten durchführen: die materielle Szenerie des Lebens und die Verhaltensweisen, die sie hervorbringt und durch die sie erschüttert wird."

Guy Debord

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Um erfolgreich zu arbeiten, muss ein kontrollierendes System mehr oder gleichviele Zustände als das zu kontrollierende System kennen (Ranulph Glanville). In einer Schulklasse beispielsweise, dienen Sitzordnung und andere Verhaltensregeln dazu, die Anzahl der möglichen Zustände der Klasse soweit zu reduzieren, daß diese für den Lehrer "beherrschbar" bleiben. Da das menschliche Gehirn nur eine begrenzte Anzahl von Zuständen kennt, muss es, um ein Problem grösserer Komplexität "denken" zu können, zwangsläufig den Problembereich soweit eingrenzen, daß innerhalb dessen eine plausible Feststellung getroffen werden kann.

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Das Baurecht dient dem Ausgleich von Einzelinteressen und Gemeinwohl. Zum Zwecke der Kontrolle des Systems Stadt bedarf es eines Planungsrechtes, das nicht mehr Zustände zulässt, als es selbst kennt.

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Ein Individuum definiert sich in Abgrenzung zum Anderen, zur Gruppe, zur Gesellschaft. Gleichzeitig sind alle Individuen vereint in der definitorischen Notwendigkeit zu Abgrenzung und Unterscheidung.

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"Sie können jede Farbe haben, solange es Schwarz ist." Henry Ford

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Behaupten wir, es gebe entscheidbare und unentscheidbare Fragen. "Was ist 2+2?" wäre demnach ein Beispiel für die erste Kategorie; während die Frage "Was ist Unendlichkeit?" in die zweite Kategorie fiele. Entschieden werden grundsätzlich nur die unentscheidbaren Fragen; die Entscheidbaren sind bereits entschieden.

Heinz von Foerster

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Zellulare Automaten sind diskret, also in Schritten, ablaufende Programme, die innerhalb eines gegebenen Zellraums den Zustand einer Zelle (z.B. schwarz oder weiss) in Abhängigkeit vom Zustand der Nachbarzellen definiert. Dieses einfache Regelwerk resultiert in vielen Fällen bereits nach wenigen Schritten in einen komplexen Zustand, der sich über Differentialgleichungen nicht mehr beschreiben läßt. Dieser Umstand veranlasst (Stephen Wolfram) zur Formulierung der These der "Komputationalen Äquivalenz"; wonach beispielsweise das den Fall eines Apfels beschreibende Fallgesetz nicht dasselbe ist wie der reale Fall des Apfels, die Berechnung dieses Falls aber sehrwohl. Weil "man solche Dinge mit einfachen Programmen erzeugen kann" sind die komplexen Beschaffenheiten biologischer Systeme etwa nicht - wie bei Darwin - als Fälle "adaptiver Komplexität" zu betrachten, sondern vielmehr das Ergebnis des Ablaufens universaler Programme.

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Das Geheimnis der Gestalt ist das Geheimnis einer Wesenheit, die in der Gestalt erscheint. (Hugo Häring) Das Erkennen, die vernunftsmäßige Erfassung, des Neuen ist ein n a c h träglicher Vorgang. Bauen (wie Entwerfen) ist die Erzeugung eines neuen, vorher unbekannten Zustandes. Jedes "neue" Haus ist zwangsläufig ein neuer, bis dato unbekannter Zustand.

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Der Masterstudiengang an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, a42.org, begreift Architektur als offenes System. Die Aufgabe des Architekten besteht darin, unser aller Lebensraum um neue, vielfältige und leistungsfähige "Zustände" zu bereichern. Dazu braucht es nicht zuletzt die Fähigkeit, Regelwerke und Definitionen, die der Dynamik der von ihnen "kontrollierten" Parameter zwangsläufig an Trägheit "überlegen" sind, bis an die Grenzen ihrer Wirksamkeit zu dehnen. Das größte Glück des Wissenschaftlers besteht darin, sein vorhandendes Wissen an die Grenze seiner Gültigkeit gedehnt zu finden und eine neue Fragestellung gefunden zu haben.

 

 


Anhang 2

 

Ein 5-stufiger Thesenzyklus

mit 18 Ausstiegsmöglichkeiten

 

1. Wer Häuser bauen will, muss Pop denken.

Der (post-)moderne >> >> Formenkanon ist aus sich heraus nicht transformierbar. Die gegenwärtige Architekturpraxis operiert in der Regel auf dem Feld erodierender Gewissheiten ohne dort >> massenkulturell wirksame Anschlusswerte zu erzeugen. Währenddessen ist die "hochkulturell" goutierte Produktion von Architektur auf Markenware einiger weniger >> >> medienkompatibler (Einzel-) Autoren beschränkt.

 

2. Wer Städte denken will, muss Gesellschaft sein.

Architektur scheint ein gesellschaftlich irrelevantes Metier. Schlagworte wie  >> 'Neoliberalismus', >> 'Digitale Revolution', >> 'Markt-Populismus' beschreiben einen grundlegenden Paradigmenwechsel. So wenig der physische Raum von diesen Umwälzungen unberührt bleibt, so wenig Impulse vermag die architektonische Praxis zu deren Bewältigung zu setzen. Alles verändert die Architektur, die Architektur verändert nichts. >> >> Bau-Produktion und Bau-Kultur sind im Sinne eines gesellschaftlichen Diskurses von einander abgekoppelte Themenfelder.

 

3. Wer Teil der Welt sein will, muss rechnen.

Die Möglichkeiten computergestützen Entwerfens sind nicht ansatzweise ausgeschöpft. Die in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich vervielfachte Rechenleistung ist untrennbar mit einer Reihe wissenschaftlicher Quantensprünge verknüpft unbegründet den Ausgangspunkt neuer wissenschaftlicher >> Denkmodelle.

In der Architektur werden diese Möglichkeiten neben der Optimierung von Büroabläufen oder vereinzelten Ansätzen zur Mass-Customization bislang lediglich von einer quasi autonomen Avantgarde zur >> >> Generierung komplexer biomorpher Raummodelle genutzt.

 

4. Wer mit sich selbst rechnen will, muss forschen.

Die Herstellung von Architektur unterliegt einem ständigen Wandel von inneren (funktionalen, technischen) und äußeren (gesellschaftlichen, marktwirtschaftlichen) Anforderungen. Gleichermassen unterliegt die Lesbarkeit der architektonischen Oberfläche einer sich verändernden >> Wahrnehmung und Ikonographie.

Die blosse >> Reproduktion bewährter Typologien reduziert Architektur auf die Bereitstellung mustergültiger Lösungen mit in der Regel minimaler Halbwertzeit.

Architektonische Lehre kann sich in der Konsequenz nicht auf das Vermitteln solcher >> Musterlösungen beschränken, sondern wird den Weg systematischer Forschung gehen.

 

5. Wer Zukunften erforschen will, muss Theorie bauen.

Wo die "Freiheit der Wahl" mehr sein soll als das Antizipieren und Befolgen >> organisierter Moden, bedarf es der Souveränität von Anschauung, Erkenntnis und Wissen. Problemlösungsstrategien beinhalten die strukturelle Fähigkeit zur kontrollierten Befehlsverweigerung gegenüber der Allgegenwart des >> Vorformatierten.