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Aida Bosch

Für eine Kultursoziologie der Dinge. Zur Relevanz von Mensch-Objekt-Interaktionen

 

Warum fällt uns der Himmel nicht auf den Kopf? Die „Dinge“ des Menschen bilden seine selbstgeschaffene Umwelt und garantieren das materielle und kognitive Überleben des Menschen. Dies gilt ganz besonders für die größten Dinge, für Bauwerke. Die Interaktion mit den Dingen gewährt uns einen beherrschbaren Weltausschnitt und die Gewissheit, dass unsere Umwelt konstante Eigenschaften aufweist. In den Dingen sind Wissen, Werte und Kultur gespeichert. Die Form und Gestaltung der Dinge wirkt auf jede menschliche Handlung ein. Sie legen manche Handlungen nahe und andere nicht. Jedes Ding hat eine materiell-stoffliche und eine zeichenhaft-symbolische Seite. Lernen wir nicht auch von den Dingen, was die Welt bedeutet und wie wir mit ihr umgehen können? Die Stofflichkeit der Dinge interagiert mit dem menschlichen Körper und bietet praktische und sinnliche Erfahrungsmöglichkeiten. Durch ihre Materialität bilden sie stabile Ankerpunkte für flüchtige Erfahrungen. Andererseits bildet die konkrete Stofflichkeit der Dinge immer auch eine Herausforderung für menschliches Handeln. Die Dinge fügen sich nicht vollständig dem menschlichen Zugriff, sie bieten Widerstand. Wer sind wir? Dingliche Objekte stehen in einer Beziehung zum menschlichen Körper und sind Teil des Habitus, der sowohl individuelle wie auch kulturell geformte Züge hat. In den Dingen spiegelt sich deshalb auch die Sozialstruktur der Gesellschaft wieder: Status, Anerkennung und soziale Macht werden in symbolischen Objekten visuell erkennbar und realisieren sich in dieser Form. Die Dinge des Menschen haben eine expressive Seite: Sie erzählen vom Selbstentwurf eines Individuums und von kulturellen Identitäten.

 

PD Dr. Aida Bosch lehrt und forscht am Institut für Soziologie der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen. Ihre aktuellen Arbeitsschwerpunkte sind: Materielle Kultur, Visuelle Soziologie und symbolische Praxis der Moderne. In den letzten Jahren erforschte sie schwerpunktmäßig die Bedeutung der „dinglichen Objekte“ für die

Konstruktion des Selbst und des Sozialen.

 

Ausgewählte Veröffentlichungen:

Bosch, Aida 2010: Konsum und Exklusion. Eine Kultursoziologie der Dinge, transcript verlag, Bielefeld

Bosch, Aida 2007: Global flows: Subjekt, Mode und Konsum in den globalisierten Kreisläufen. In: Gottwald, M./Klemm, M./Schulte, B. (Hg.): KreisLäufe - CircularFlows. Band 9 der Reihe: Diskursive Produktionen. Text, Kultur, Gesellschaft. LIT-Verlag Berlin