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Bruno Flierl:

Vorwärts in die Vorvergangenheit - Die neue Berliner Mitte vom Lustgarten bis zum Alexanderplatz

 

Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg sah sich die DDR 1949 vor die Aufgabe gestellt, im geteilten Berlin ihre Hauptstadt zu planen und die historische Mitte der Stadt - nun als azentral gelegenes neues Zentrum ihres Stadtgebietes in Ostberlin - zu entwickeln. Zu diesem Zweck verfolgte sie zwei Ziele: Herausbildung eines neuen zentralen Ortes von Staat und Gesellschaft in der Mitte der Stadt und Schaffung eines verkehrstüchtigen, zugleich repräsentativen Weges von Osten ins Zentrum als neue räumliche Durchwegung der Stadt: von der Karl-Marx-Allee über den Alexanderplatz und die Spreeinsel bis in die Straße Unter den Linden.

 

Seit 1991 zielt die Bundesrepublik im vereinten Berlin als ihrer neuen Hauptstadt - bei Akzeptanz des neuen Alexanderplatzes als dem Drehpunkt der entstandenen räumlichen Durchwegung der Stadt - auf den Rückbau der zentralen Bereiche zwischen Lustgarten und Alexanderplatz in die Vorvergangenheit: zuerst mit dem Beschluss des Deutschen Bundestages zum Wiederaufbau des Berliner Schlosses auf der Spreeinsel und neuerdings mit der verstärkten Propaganda einzelner Planer für eine Rekonstruktion der Berliner Altstadt zwischen Spree und Alexanderplatz.

 

Darüber sollte öffentlich diskutiert werden!

 

Bruno Flierl, geb. 1927, 1952 -1980 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bauakademie der DDR, Chefredakteur der Zeitschrift "Deutsche Architektur" Ostberlin, Dozent an der Humboldt-Universität und der Kunsthochschule Berlin, seit 1984 freier Autor im Bereich Architektur- und Stadtkritik.