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Materialien zum Seminar am

von Julia Lossau

 

Räume von Bedeutung.

Spatial turn, cultural turn und Kulturgeographie

 

1. Einleitung

 

Raum ist kein einfacher Begriff. Im deutschsprachigen Kontext hatte die Verbindung von Raumdenken und nationalzialistischer Expansionspolitik nach 1945 bekanntlich zu einer Diskreditierung und tendenziellen Dethematisierung des Raumbegriffs geführt. Der Historiker Karl Schlögel beispielsweise schreibt: Raum und alles, was mit ihm zu tun hatte, war nach 1945 obsolet, ein Tabu, fast anrüchig. Wer die Vokabel benutzte, gab sich als jemand von gestern, als ewig Gestriger zu erkennen. [...] Raum zog eine ganze Kette von Assoziationen und Bildern nach sich: „Raumnot“, „Volk ohne Raum“, „Ostraum“, „Raumbewältigung“, „Grenzraum“, „Siedlungsraum“, „Lebensraum“. Es roch nach Revisionismus, und es hatte seinen guten Grund, aufmerksam zu sein. Der Nationalsozialismus hatte das ganze Vokabular aufgesogen oder zumindest kontaminiert. 1) Seit etwa zwei Jahrzehnten aber sind auch die deutschsprachigen Sozial- und Kulturwissenschaften durch eine Aufwertung raumbezogener Fragen und Perspektiven gekennzeichnet. Die Renaissance des Raums hat in den Augen vieler Kommentatoren nicht zuletzt mit den gesellschaftspolitischen Umbrüchen der späten 1980er-Jahre zu tun. Tatsächlich dürften das Ende des Ost-West-Konflikts und die mit ihm verbundenen Entgrenzungen, Neu- und Wiederbegrenzungen dazu geführt haben, dass „Raum“ wieder zu einem zentralen Begriff der sozial- und kulturwissenschaftlichen Theoriebildung geworden ist. Nachdem der Gedanke an die Verbindung von Raum und Nationalsozialismus verbreitet in den Hintergrund getreten ist, sind Vokabeln wie „Raumwirksamkeit“ und „Raumüberwindung“, „Grenzüberschreitung“ oder „Topographie“ auch in solchen Disziplinen wieder aufgegriffen worden, die sich zuvor durch eine gewisse Raumvergessenheit auszeichneten. Der weithin ausgerufene spatial turn hat die Geschichtswissenschaft ebenso erfasst wie die Sprach- und Medienwissenschaften, die Soziologie oder die Literaturwissenschaft.

 

Aus geographischer Sicht stellt die Neu- bzw. Wiederentdeckung des Raums eine ambivalente Entwicklung dar. Zwar wird die Geographie, und dabei insbesondere die Kulturgeographie, aufgrund ihrer traditionellen Zuständigkeit für die räumliche Dimension gesellschaftlicher Verhältnisse zuweilen als Leitdisziplin des spatial turn gehandelt. Gleichwohl steht das Fach in den entsprechenden Diskussionen eher abseits. So schreibt Doris Bachmann-Medick in ihrer Abhandlung der gegenwärtigen kulturtheoretischen Wenden: Zum ersten Mal gerät die (Kultur-)Geographie als die Wissenschaft vom Raum in den Rang einer Leitdisziplin, ohne dass dies jedoch von den anderen Humanwissenschaften schon ausreichend anerkannt und für eine Begriffspräzisierung oder gar Kooperation genutzt würde. 2)

 

Vor diesem Hintergrund besteht das Ziel des vorliegenden Beitrags darin, im Rahmen eines interdisziplinären Sammelbandes einige Überlegungen zu Räumen von Bedeutung aus kulturgeographischer Sicht anzustellen. Dabei setzt er an der bereits erwähnten Ambivalenz an, die sich aus Sicht der fachwissenschaftlichen Geographie mit der räumlichen Wende verbindet. Einerseits findet das Fach, das den Raum als seinen traditionellen Grundbegriff reklamiert, eben diesen Grundbegriff – recht unvermittelt – im Zentrum der sozial- und kulturwissenschaftlichen Theoriediskurse wieder. Entsprechend wird in der Einleitung zu einem jüngeren kulturgeographischen Sammelband bemerkt, der spatial turn rücke „die bisher eher marginalisierte Kulturgeographie ins Zentrum der kulturwissenschaftlichen Diskussion“. 3) Auf der anderen Seite aber löst die gegenwärtige Konjunktur des Raums in der Kulturgeographie auch heute noch ein gewisses Unbehagen aus, das weniger disziplinpolitisch als vielmehr erkenntnistheoretisch motiviert ist. Im Versuch, dieses Unbehagen verständlich zu machen, wird zunächst die Entwicklung skizziert, die die Kultur- und Sozialgeographie in den letzten zwanzig Jahren durchlaufen hat. Dabei wird sich zeigen, dass das Fach einen Paradigmenwechsel vollzogen hat, der zu einer Kulturalisierung des Raums führte. Was mit dieser plakativen Formel angedeutet sein soll, ist jene generelle Aufwertung von Sinn- und Bedeutungswelten, die gemeinhin mit dem cultural turn assoziiert wird und die sich in der Geographie auch auf den Raumbegriff auswirkte. In diesem Zusammenhang entwickelte sich im Lauf der letzten zwei Jahrzehnte die so genannte „neue Kulturgeographie“. Dieser Ansatz findet seine Forschungsgegenstände nicht mehr in den traditionellen geographischen Räumen als den physischmateriellen Ausschnitten der Erdoberfläche, sondern beschäftigt sich mit der symbolisch-signifikativen Dimension der geographischen Wirklichkeit.

 

Die Sozial- und Kulturwissenschaften hingegen, so die These des zweiten Abschnitts, sind durch eine gegenläufige Entwicklung gekennzeichnet. Hier hat der spatial turn insofern zu einer Verräumlichung der Kultur geführt, als der Raum im Allgemeinen und die „realen“, geographischen Räume im Besonderen auch theoriebautechnisch (wieder) interessant geworden sind. Zwar ist das neue Interesse für den Raum nicht unbedingt mit einem Abschied von Repräsentation, Interpretation und Symbolhaftigkeit als den traditionellen Leitlinien sozial- und vor allem kulturwissenschaftlicher Forschung gleichzusetzen. Was dabei jedoch in den Fokus rückt, ist die Frage nach dem Zusammenhang zwischen der physisch-materiellen Realität der geographischen Räume einerseits sowie den bedeutungsvollen sozial-kulturellen Wirklichkeiten und deren räumlicher Strukturiertheit andererseits. Genau dieser Zusammenhang soll im dritten Abschnitt problematisiert werden. Zu diesem Zweck wird gefragt, ob die Sozialund Kulturwissenschaften nicht ihren eigenen erkenntnistheoretischen Prämissen widersprechen, wenn sie Soziales und Kulturelles mit Räumlich-Materiellem verbinden. Ist es nicht ein epistemologischer Fehler, „Nichträumliches [...] als räumlich-materiell Fixierbares“, als räumlich-materiell „Verankertes“ oder „Bedingtes“, wenn nicht sogar als „ganz und gar Räumliches oder Physisch-Materielles erscheinen zu lassen“? 4) Aus kulturgeographischer Sicht jedenfalls birgt die Verräumlichung der Kultur die Gefahr, Produkte sozialer und kultureller Praktiken in scheinbar natürliche „geographische Gegebenheiten“ zu verwandeln; sie also zu verdinglichen und letztlich zu naturalisieren.

 

 

2. Kulturalisierung des Raums, oder: Geographie und cultural turn

 

Die deutschsprachige Geographie pflegt zum spatial turn ein recht eigentümliches Verhältnis. Einerseits betrachtet sie die „Wiederkehr des Raums“ in den Nachbardisziplinen mit großem Interesse. So stellte man schon Anfang der 1990er-Jahre fest, „dass die Relevanz des Raumes auch außerhalb der Geographie mehr und mehr erkannt wird und die Beschäftigung mit räumlichen Aspekten Anerkennung findet“. 5) Zwar wurden damals zunächst Befürchtungen laut, die eigentlich spannenden Diskussionen um die räumlichen Dimensionen der Gesellschaft könnten fürderhin in den Nachbardisziplinen geführt werden. 6) An die Stelle der Furcht vor Abkopplung und Marginalisierung ist aber mittlerweile – zumindest: auch – ein neues Selbstbewusstsein bzw. die Freude darüber getreten, recht unverhofft zur „Leitdisziplin“ für Raumfragen aufgestiegen zu sein.

 

Auf der anderen Seite ist die Geographie an den interdisziplinären Raumdiskussionen wenn überhaupt, nur randlich beteiligt. Tatsächlich finden sich in der Literatur zur gegenwärtigen fächerübergreifenden Raumkonjunktur nur wenige geographische Beiträge – ganz so, als wollten die eigentlichen ‚Raumspezialisten‘ ihr ‚geheimes Wissen‘ lieber für sich behalten. 7) Vielleicht lässt sich diese Zurückhaltung nicht zuletzt damit erklären, dass die Rede von einer räumlichen Wende aus geographischer Sicht nur wenig sinnvoll ist. Immerhin widmete sich das Fach der räumlichen Dimension gesellschaftlicher Verhältnisse lange, bevor andere Disziplinen von einem spatial turn zu sprechen begannen. „Raum“ ist die zentrale Vokabel geographischen Arbeitens, seit das Kernparadigma der traditionellen Geographie in den 1970er-Jahren aufgegeben wurde.

 

Dieses Kernparadigma beschrieb den „konkreten territorialen Menschen in Harmonie und Kontrast, im Gleich- und Ungleichgewicht mit seinem konkret-ökologischen, landschaftlich-regionalen Milieu“. 8) Damit lenkte es das geographische Forschungsinteresse auf die Beziehungen zwischen Ausschnitten der Erdoberfläche einerseits und den darin lebenden Menschen andererseits. Als ein Schlüsselbegriff des so genannten ‚altgeographischen Paradigmas‘ fungierte die „Landschaft“, die als individueller „Gesamtinhalt eines Teilstücks der Erdoberfläche“ 9) biotische und abiotische Komponenten ebenso enthielt wie anthropogene. Unter dem Stichwort „Landschaft“, das physisch-geographische und kulturgeographische Betrachtungen zu integrieren vermochte, interessierte sich die Geographie für „die kausalen Wirkungszusammenhänge [...] zwischen den natürlichen Bedingungen und der vom Menschen geschaffenen Kulturlandschaft“. 10) In den 1970er-Jahren wurden die Landschafts- und Länderkunde dann durch den sog. raumwissenschaftlichen Ansatz ersetzt. Der raumwissenschaftliche Ansatz führt die Geographie „vom Konkreten zum Allgemeinen, von erdräumlich fixierbaren Sachverhalten zu Anordnungsmustern und von ‚anschaulichen Qualitäten‘ [...] zu objektiven Gesetzmäßigkeiten (Distanzrelationen) [...]“. 11) Das Ziel der Geographie als Raumwissenschaft bestand darin, mittels quantitativer Methoden räumliche Verteilungs- und Verbreitungsmuster zu erklären. Dies stellte zwar für viele Geographinnen und Geographen eine Verbesserung gegenüber der als unwissenschaftlich empfundenen Landschaftsgeographie dar. Gleichzeitig konnte das Kernproblem einer sozialund kulturwissenschaftlich ausgerichteten Geographie auch im Rahmen des raumwissenschaftlichen Ansatzes nicht gelöst werden. Dieses Problem besteht darin, dass die sozial-kulturelle Welt insofern eine merkwürdig unräumliche Welt ist, als, wie Benno Werlen schreibt, „nur materielle Gegebenheiten eine räumlich lokalisierte Existenz aufweisen [...], nicht aber (immaterielle) subjektive Bewusstseinsinhalte, soziale Normen und kulturelle Phänomene“. 12) Dieses Problem konnte zufrieden stellend erst im Zuge des cultural turn gelöst werden.

Der cultural turn brachte innerhalb der Geographie insofern einen erneuten Paradigmenwechsel mit sich, als sich das mit ihm verbundene Interesse für Sinnsysteme und Bedeutungswelten auch auf den Raumbegriff auswirkte. So steht der cultural turn aus geographischer Sicht meist als Begründung für eine explizite Abkehr von objektivistischen und substantialistischen Raumvorstellungen. Die damit angezeigte Wende ist im Lauf der 1980er-Jahre zunächst im angloamerikanischen Kontext eingeleitet worden. Im Zuge des cultural turn etablierte sich dort die sog. new cultural geography, die zu einer umfassenden Neuorientierung der englischsprachigen Humangeographie geführt hat. 13) Im deutschsprachigen Raum hingegen kommt insbesondere Benno Werlen das Verdienst zu, die Humangeographie konsequent von raum- auf sozialwissenschaftliche Füße gestellt zu haben. 14) Für Werlen bilden nicht räumliche Gegebenheiten, sondern menschliche Tätigkeiten den humangeographischen Forschungsgegenstand. Seine „Sozialgeographie alltäglicher Regionalisierungen“ zielt darauf ab, die „regionalisierenden Alltagspraktiken“ handelnder Subjekte zu analysieren 15), sprich: das alltägliche Geographie-Machen auf wissenschaftliche Weise zu untersuchen. „Raum“ ist bei ihm ein kognitives Konstrukt, das im alltäglichen Handeln bei der Bezugnahme auf physische Welt hergestellt und aufrechterhalten wird.

 

Zwar unterscheidet sich die handlungstheoretische Konzeption Werlens in zentralen Punkten von den eher sprach- und zeichentheoretischen Zugängen der new cultural geography. Was die gegenwärtig diskutierten Ansätze aber eint, ist ihr Bestreben, die klassische geographische Forschungsfrage nach den Wechselwirkungen zwischen physisch-materiellem Raum einerseits und Gesellschaft andererseits zu verabschieden. Unter dem Stichwort einer „neuen Kulturgeographie“ steht vielmehr die symbolischsignifikative Dimension der geographischen Wirklichkeit im Vordergrund – und damit die Frage, wie Räume im Rahmen sinnkonstituierender Zeichenpraktiken erst bedeutungsvoll produziert und reproduziert werden. 16)

 

 

3. Verräumlichung der Kultur oder: Sozial- und Kulturwissenschaften und spatial turn

 

Entgegen einem verbreiteten Verständnis von Geographie geht es der Kulturgeographie heute also nicht mehr um die Frage, wie dieser oder jener geographische Raum beschaffen ist und inwieweit er gesellschaftliche Wirklichkeiten zu beeinflussen oder zu bestimmen vermag. Untersucht wird vielmehr, wie Räume als symbolische Verräumlichungen sprachlich-kommunikativ und/oder alltagspraktisch erst hergestellt werden. So kann man sagen, dass der cultural turn innerhalb der Geographie zu einer Kulturalisierung des Raums geführt hat, in deren Folge der alte geographische, der „reale“ erdräumliche Ausschnitt an Bedeutung verliert. In den Sozial- und Kulturwissenschaften hingegen lässt sich in gewisser Weise das genaue Gegenteil beobachten. Hier hat der spatial turn zu einer Verräumlichung der Kultur in dem Sinne geführt, dass die „harte“, konkrete Seite der gesellschaftlichen Wirklichkeit und nicht zuletzt deren physisch-materielle Grundlagen wieder stärker berücksichtigt werden. Folgt man dem bereits eingangs zitierten Historiker Karl Schlögel, so hat der spatial turn deutlich gemacht, dass „nicht alles Zeichen, Symbol, Simulacrum, Text ist, sondern Stoff, Materie, Baumaterial [...]“. 17) In diesem Sinne habe etwa der 11. September uns daran erinnert, dass es Orte gibt, „Städte, die getroffen werden können, Türme, die zum Einsturz gebracht werden können, Treppen, die [...] zu tödlichen Fallen werden [...]“. 18) Diese Erfahrung zwinge uns, die Welt wieder durch eine räumliche Brille zu sehen – eine Brille, „die auch eine Konkretisierung und Visualisierung“ 19) mitbefördere und uns raffiniertere Verfahren der Wahrnehmung und Erfahrung beschere.

 

Auch in der Literaturwissenschaft hat die Rede von konkreten, realen Räumen und Orten Konjunktur. Folgt man Doris Bachmann-Medick, so führte der spatial turn hier „weg von der Überbewertung innerer Räume und hin zu einer Aufwertung realer Räume, als Thema, aber auch als Bedingungsumfeld literarischer Texte“. 20) Horst Wenzel etwa schreibt in seiner Einleitung zur Sektion Räume der Literatur im Band Topographien der Literatur: Als Manifestation ‚zerdehnter Kommunikation‘ sind Literaturen adressiert, sie brauchen Räume, in denen sie entstehen, wandern, ankommen und aufgenommen werden, Wechselbeziehungen eingehen und dabei ihre eigenen Subsysteme reflektieren. Literatur steht stets im Raum von kulturellen Praktiken [...]. Das Spannungsverhältnis von kultureller Praxis, materiellen und imaginären Räumen erweist sich deshalb als konstitutiv für das Medium der Literatur [...].

 

Sprache eröffnet eigene Schauräume, die imaginativ betreten und durchschritten werden können, das Durchqueren von Sprachräumen im Schreiben und Lesen bleibt aber zugleich rückgebunden an die Modi der Erfahrung von empirischen Welten. Die Frage nach der ‚Literatur im Raum‘ ist von den imaginären Räumen der Literatur grundsätzlich nicht abzulösen, und es ist gerade diese Wechselbeziehung, die auf die Vielfalt von Raumkonzepten und ihre historischen Dispositive verweist. 21) Nicht zuletzt die Soziologie hat – nach Jahrzehnten der „Raumvergessenheit“ 22) – den Raum wieder in den Blick genommen. 23) In einer kurzen Skizze einer Ökologie der Gesellschaft oder einer Ökologie sozialer Systeme fordert etwa Rudolf Stichweh, die Wirkung des Raums nicht länger an die „kommunikativen Operationen seiner Definition und Bestimmung“ 24) zu knüpfen, sondern die materiellen Bedingungen der natürlichen Umwelt stärker in Rechnung zu stellen. Dies sei notwendig, weil „die Transformation aller Ökosysteme unter dem Druck der Gesellschaft nicht die kausalen Abhängigkeiten der Gesellschaft von Bedingungen der physischen Geographie und der Biogeographie eliminiert hat.“ 25) Jared Diamond hat kürzlich überzeugend gezeigt, wie sehr die soziokulturelle Evolution auf verschiedenen Kontinenten u. a. davon abhängt, ob diese Kontinente primär von einer Nord-Süd- oder von einer Ost-West-Achse dominiert werden. Kontinente wie der amerikanische, in denen eine Nord-Süd-Achse bestimmend ist, zeichnen sich dadurch aus, dass Diffusionsprozesse über Unterschiede von Breitengraden hinweg und damit über Vegetationsund Klimagrenzen hinweg erfolgen müssen. Das hat Diffusionsprozesse von domestizierten Tieren und Pflanzen offensichtlich über Jahrtausende verlangsamt, aber in seinen Wirkungen auch genereller die Populationen gegeneinander isoliert, mit erheblichen Wirkungen in Richtung auf die Diffusionsgeschwindigkeit von Kulturen, Sprachen und technischen Erfindungen. 26) Zwar sind Stimmen, die – wie Stichweh – auf „die fortdauernde kausale Abhängigkeit der Bildung von Sozialsystemen von Voraussetzungen der natürlichen Umwelt“ hinweisen 27), im aktuellen sozial- und kulturwissenschaftlichen Diskurs (noch) in der Minderheit. Nur wenige Autorinnen und Autoren argumentieren, die Bedeutung räumlicher Gegebenheiten könne aus dem Raum selbst, aus der physischen Materialität, abgleitet werden. Anstelle eines solchen Determinismus ist oftmals lediglich von einer Art Passung zwischen physisch-materieller Realität und sozial-kultureller Wirklichkeit die Rede. Dahinter steckt der Gedanke, dass räumliche Bedingungen gesellschaftliche Zusammenhänge zwar nicht determinieren, also kausal bestimmen, aber doch bestimmte Möglichkeiten des Handelns nahe legen und andere ausschließen. In diesem Sinne bemerkt Markus Schroer:

 

Die kommunikative Herstellung eines sozialen Raums muss nicht, kann aber ein ganz bestimmtes raumphysikalisches Substrat erzeugen, und von diesem materiellen Raum gehen ganz bestimmte soziale Wirkungen aus. [...] Diese materielle Seite des Raums darf in einer soziologischen Raumanalyse nicht unberücksichtigt bleiben, wenn man sich nicht allein auf die soziale Herstellung des Raums kaprizieren will. Es geht nicht nur darum zu sehen, wie der Raum sozial hergestellt wird, sondern auch darum zu berücksichtigen, was der Raum selbst vorgibt. Das hat nun nichts mit Raumdeterminismus zu tun, sondern damit, dass räumliche Arrangements nicht ohne Wirkung auf unser Verhalten bleiben. Die Fülle möglicher Verhaltensweisen wird durch Raum selektiert [...]. 28)

 

Bei der Verräumlichung der Kultur durch die deutschsprachigen Sozial- und Kulturwissenschaften geht es also nicht allgemein oder in erster Linie darum, Kulturelles und Soziales durch Räumlich-Materielles ursächlich erklären zu wollen. Was im Zuge des spatial turn aber verstärkt in den Fokus rückt, ist die Frage nach dem Zusammenhang, der zwischen geographischen (physischmateriellen, realen, konkreten) Gegebenheiten einerseits und sozial-kulturellen (imaginären, inneren oder symbolischen) Phänomenen andererseits besteht. Dieser Zusammenhang soll nun aus der spezifischen Sicht der neuen Kulturgeographie diskutiert werden.

 

 

4. Zum Zusammenhang von Geographie und Gesellschaft

 

Die neue Kulturgeographie betrachtet Diskussionsbeiträge, in denen Zusammenhänge zwischen Geographie und Gesellschaft, zwischen physisch-materiellen Räumen und ihren sozial-kulturellen „Inhalten“ postuliert werden, mit einigen Vorbehalten. Zur Begründung dieser Vorbehalte wird häufig auf die geographische Disziplingeschichte verwiesen. Hervorgehoben werden die historischen Dimensionen des Raumbegriffs ebenso wie die besonderen Verbindungen, die die geographische Forschung mit der nationalsozialistischen Weltanschauung eingegangen war. 29) Als Inbegriff dieser Verbindungen gilt die Geopolitik, deren postdarwinistische und vor allem geo- und umweltdeterministische Einstellung dazu diente, politische Entscheidungen auf scheinbar natürliche „geographische Gegebenheiten“ zurückzuführen – oder, wie Karl Haushofer schrieb, auf die „dauernden Bedingungen der Bodengestalt“. 30)

 

Demgegenüber kann die Geschichte der deutschsprachigen Geographie – wenn nicht seit 1945, so doch seit den 1970er-Jahren – als Versuch interpretiert werden, sich von einer Perspektive zu emanzipieren, der zufolge „Raum [...] unser Verhalten [prägt] und [...] ihm seinen Stempel auf[drückt]“. 31) Spätestens seit der Verabschiedung der Landschaftsgeographie ist die Humangeographie bemüht, naturalistische Begründungen sozialer Phänomene zu vermeiden und die soziale Welt als eine Realität sui generis anzuerkennen. 32) Auch die neue Kulturgeographie hütet sich davor, jene altgeographischen „Raumgestalten“ wiederzubeleben, in denen, wie Benno Werlen 33) schreibt, „‚Natur‘, ‚Kultur‘ und ‚Gesellschaft‘ zu einer Einheit zusammenwachsen”. In diesem Sinne sind es heute vor allem erkenntnistheoretische Gründe, die die Vertreterinnen und Vertreter der neuen Kulturgeographie dazu bewogen haben, den physisch-materiellen Raum als Bestimmungsgröße sozial-kultureller Phänomene endgültig zu verabschieden. Das bedeutet freilich nicht, dass die gegenwärtige Kulturgeographie die körperliche oder sinnliche Erfahrbarkeit physischmaterieller Gegebenheiten bezweifeln würde. Auch wird niemand bestreiten, dass ein gegebenes räumliches Arrangement für eine bestimmte Tätigkeit besser geeignet sein mag als für eine andere. Was hingegen bezweifelt wird ist, dass aus der sinnlichen Erfahrbarkeit eines physisch-materiellen Objekts auf dessen sozialkulturelle Bedeutung geschlossen werden kann. Ebenso fragwürdig ist es, aus der gezielten Ausrichtung eines Raums auf bestimmte Tätigkeiten abzuleiten, die dort ausgeübten Tätigkeiten ergäben sich aus dem Raum selbst – und nicht aus den mit ihm verbundenen Regeln, sozialen Konventionen und kulturellen Traditionen. So kann man sagen, dass in der Bezugnahme auf Raum zur Erklärung gesellschaftlicher Phänomene genau das ausgeblendet wird, was für die Erklärung dieser Phänomene eigentlich relevant wäre. Dies zeigt auch das Beispiel der (nicht zuletzt in der Geographie) beliebten Praxis des wissenschaftlichen Reisens, bei der fremde Gebiete buchstäblich erfahren werden sollen. Die entsprechenden Exkursionen führen wahlweise in brandenburgische Kleinstädte, in den Harz, nach Frankreich, Kuba oder Brasilien. Doch so inspirierend es auch sein mag, an einer Exkursion teilzunehmen oder allgemein vor Ort zu sein – die Erfahrungen, die man dort macht, sind – ebenso wie die daraus (möglicher Weise) hervorgehenden Erkenntnisse – zu einem guten Teil von dem (Vor-)Wissen abhängig, das man von zuhause mitgebracht hat. Vor allem aber wird die bloße Ansicht von ausgewählten Standorten nur sehr wenig offenbaren, was nicht vieldeutig wäre und also unter Zuhilfenahme zusätzlicher Quellen (z.B. in Gesprächen mit lokalen Expertinnen und Experten) erst gedeutet werden müsste.

 

Vor diesem Hintergrund besteht ein Verdienst der jüngeren deutschsprachigen Geographie darin, deutlich gemacht zu haben, dass die Bedeutung von Orten in keinem notwendigen Zusammenhang mit deren physischer Materialität steht und daher auch nicht über die Erforschung der Orte selbst erschlossen werden kann. Insbesondere Benno Werlen wird nicht müde zu betonen, dass die Bedeutungen, die materielle Gegebenheiten haben, zugeschrieben und nicht wesensimmanent sind. Ein Ort kann in sozialer Hinsicht alles Mögliche oder auch gar nichts bedeuten. Was er konkret bedeutet, ist n atürlich alles andere als beliebig – aber es ist eben nicht von seiner Stofflichkeit bestimmt. Die Bedeutung eines Ortes ist ein Produkt bestimmter Konventionen und Traditionen, von semantischen Zuschreibungen und gesellschaftlichen Verortungsleistungen.

 

Solche Verortungsleistungen oder Zuschreibungen von Sinn und Bedeutung auf (physisch-materiellen) Raum spielen in der alltäglichen Kommunikation eine wichtige Rolle: Vorstellungen von „hier“ und „dort“, „oben“ und „unten“, „nah“ und „fern“ oder „bei uns“ und „anderswo“ sind offenbar notwendig, wenn man sich über die Welt verständigen will. 34) Auch die Kultur- und Sozialwissenschaften können nicht auf den Gebrauch räumlicher Begriffe verzichten. Die komplexitätsreduzierende Funktion von Raumsemantiken kann das wissenschaftliche Denken jedoch zu einem epistemologischen Fehler verleiten. Dieser Fehler besteht darin, die symbolischen Einschreibungen von Bedeutung in räumliche Umwelt bzw. Materie so zu behandeln, als seien sie Bestandteile oder Eigenschaften der materiellen Welt; als seien die Einschreibungen also unabhängig von jenen sozialen und kulturellen Prozessen, durch die Bedeutung erst generiert und reproduziert wird. Mit diesem Fehler verbindet sich eine Form der Verdinglichung, die darin besteht, die Beobachtung mit dem Gegenstand, den Begriff mit dem Ding und semantische Strukturen mit der Realität zu verwechseln. 35) Solche Verdinglichungen können insofern als naturalisierend bezeichnet werden, als sie Unverfügbarkeit ins Spiel bringen und die Kontingenz der sozialkulturellen Welt (und ihrer Beobachtung) suspendieren. 36)

 

 

5. Fazit

 

Seit ungefähr zwanzig Jahren ist sowohl innerhalb als auch außerhalb der Universitäten von einer „Wiederkehr des Raums“ die Rede. Der damit verbundene spatial turn hat in den Sozial- und Kulturwissenschaften zu einer Verräumlichung der Kultur geführt, in deren Rahmen der vermeintlich natürliche, der physisch-materielle oder auch geographische Raum eine diskursive Aufwertung erfahren hat. Diese Entwicklung ist aus kulturgeographischer Sicht ebenso interessant wie ambivalent. Einerseits rückt die Kulturgeographie durch das neue Interesse an realen Räumen zumindest de jure ins Zentrum der kulturwissenschaftlichen Theorieproduktion. Dies passiert aber zu einem Zeitpunkt, an dem die Kulturgeographie die vermeintliche Natürlichkeit des geographischen Raums in Frage gestellt hat.

 

Anders ausgedrückt: Die Kulturgeographie hat den geographischen Raum als Bestimmungsgröße gesellschaftlicher Zusammenhänge in dem Moment verabschiedet, als er ins Interesse der Nachbarwissenschaften gerückt ist. Der cultural turn führte, wie gesehen, zu einer theoretischen Neuformulierung, im Zuge derer der alte geographische Raum im Sinne des physisch-materiellen Containers als Erkenntnisgegenstand ‚entsorgt‘ wurde. Als Folge der Kulturalisierung des Raums fokussiert die Kulturgeographie nicht mehr auf den vermeintlich voraussetzungslos gegebenen geographischen Realraum. Es geht ihr vielmehr um gesellschaftlich produzierte, wahrgenommene und angeeignete Bedeutungsräume. Tatsächlich hat der cultural turn innerhalb der Kulturgeographie zur Auffassung geführt, dass es geographische Räume, die jenseits von Sinnzuschreibungen und Beobachtungsleistungen einfach da wären, schlicht nicht geben kann. Vor diesem Hintergrund ist die neue Kulturgeographie auch vorsichtig, wenn über den Zusammenhang zwischen Geographie und Gesellschaft, zwischen räumlichen, physisch-materiellen Gegebenheiten einerseits und sozial-kulturellen, symbolischen Phänomenen andererseits diskutiert wird. Das Postulieren eines Zusammenhangs impliziert aus kulturgeographischer Sicht genau jenen versteckten Naturalismus, der innerhalb der Kulturgeographie erst kürzlich überwunden werden konnte.

 

Um diesen Naturalismus zu umgehen, müsste die Existenz von voraussetzungslos gegebenen, natürlichen geographischen Räumen in Frage gestellt werden. An seine Stelle müsste das Bewusstsein treten, dass auch der traditionelle geographische Raum, der doch in seiner physischen Materialität vermeintlich eindeutig und unmissverständlich gegeben ist, immer schon mit Bedeutungen versehen ist. In diesem Sinne sind etwa die Sahara, das Burgenland oder Niedersachsen Räume von Bedeutung, deren symbolische Gehalte nicht von ihrer physischen Materialität bestimmt sind, sondern Produkte kultureller Zuschreibungen sind. Versucht man, diese symbolischen Gehalte abzuziehen, so stellt man fest, dass nichts übrig bleibt, was von Bedeutung wäre – und damit eben auch kein natürlicher geographischer Raum.

 

 

1 Karl Schlögel: Im Raume lesen wir die Zeit. Über Zivilisationsgeschichte und Geopolitik, München: Hanser 2003, hier S. 52.

2 Doris Bachmann-Medick: „Spatial turn“, in: Dies., Cultural Turns. Neuorientierung in den Kulturwissenschaften, Reinbek b.H.: Rowohlt 2006, S. 284–328, hier S. 285.

3 Hans Gebhardt/Paul Reuber/Günter Wolkersdorfer: Kulturgeographie. Aktuelle Ansätze und Entwicklungen, Heidelberg–Berlin: Spektrum Akad. Verl. 2003, hier S. 16.

4 Gerhard Hard: „Raumfragen“, in: Peter Meusburger (Hg.), Handlungszentrierte Sozialgeographie. Benno Werlens Entwurf in kritischer Diskussion, Stuttgart: Steiner 1999, S. 133–162, hier S. 156.

5 Jürgen Pohl: „Kann es eine Geographie ohne Raum geben? Zum Verhältnis von Theoriediskussion und Disziplinpolitik“, in: Erdkunde 47 (1993), S. 255–266, hier S. 260.

6 Vgl. ebenda sowie Fred Scholz: „Das Ende der Geographie… nicht nur Polemik“, in: Rundbrief Geographie 151 (1998), S. 11–15.

7 Jörg Döring/Tristan Thielmann: „Einleitung: Was lesen wir im Raume? Der Spatial Turn und das geheime Wissen der Geographen“, in: Dies. (Hg.), Spatial turn, Bielefeld: transcript 2008, S. 7–45.

8 Ulrich Eisel: Die Entwicklung der Anthropogeographie von einer „Raumwissenschaft“ zu einer Gesellschaftswissenschaft, Kassel: Gesamthochschulbibliothek 1980 zit. n. Gerhard Hard: „Alltagswissenschaftliche Ansätze in der Geographie“, in: Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie 29 (1985), S. 190–200, hier S. 194.

9 Hans Bobek/Josef Schmithüsen: „Die Landschaft im logischen System der Geographie“, in: Erdkunde 3 (1949), S. 112–120, hier S. 115.

10 Benno Werlen: Sozialgeographie. Eine Einführung, Bern: Haupt 2000, hier S. 102.

11 Roland Lippuner: Raum, Systeme, Praktiken. Zum Verhältnis von Alltag, Wissenschaft und Geographie, Stuttgart: Steiner 2005, hier S 20.

12 Benno Werlen: Sozialgeographie alltäglicher Regionalisierungen 1. Zur Ontologie von Gesellschaft und Raum, Stuttgart: Steiner 1995, hier S. 3.

13 Vgl. etwa Edward Soja: Thirdspace. Journeys to Los Angeles and Other Real-and-imagined Places, Oxford: Blackwell 1996; Gillian Rose: Feminism and Geography. The Limits of Geographical Knowledge, Cambridge: Polity Press 1993; Derek Gregory: Geographical Imaginations, Cambridge MA: Blackwell 1994; Doreen Massey: Space, Place and Gender, Cambridge: Polity Press 1994; David Harvey: The Condition of Postmodernity. An Enquiry into the Origins of Cultural Change, Cambridge MA: Blackwell 1989.

14 Vgl. B. Werlen: Sozialgeographie alltäglicher Regionalisierungen 1.

15 Ders.: Sozialgeographie alltäglicher Regionalisierungen 2. Globalisierung, Region und Regionalisierung, Stuttgart: Steiner 1997, hier S. 253.

16 Vgl. Julia Lossau: Die Politik der Verortung. Eine postkoloniale Reise zu einer ANDEREN Geographie der Welt, Bielefeld: transcript 2002; H. Gebhardt, P. Reuber, G. Wolkersdorfer: Kulturgeographie; Michael Flitner/ Julia Lossau: Themenorte, Münster: LIT 2005; Christian Berndt/Robert Pütz (Hg.): Kulturelle Geographien. Zur Beschäftigung mit Raum und Ort nach dem Cultural Turn, Bielefeld: transcript 2007.

17 Karl Schlögel: „Kartenlesen, Augenarbeit“, in: Heinz-Dieter Kittsteiner (Hg.), Was sind Kulturwissenschaften? 13 Antworten, München: Fink 2004, S. 261–283, hier S. 262.

18 Ebd.

19 Ebd., S. 263.

20 D. Bachmann-Medick: Spatial turn, S. 310.

21 Horst Wenzel: „Sektionseinleitung. Räume der Literatur“, in: Hartmut Böhme (Hg.), Topographien der Literatur. Deutsche Literatur im transnationalen Kontext. DFG-Symposium 2004, Stuttgart, Weimar: Metzler 2005, S. 215–223, hier S. 215.

22 B. Werlen, Sozialgeographie, S. 13.

23 Prominent durch Martina Löw: Raumsoziologie, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2001.

24 Rudolf Stichweh: „Raum, Region und Stadt in der Systemtheorie“, in: Ders., Die Weltgesellschaft, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2000, S. 184–206, hier S. 192.

25 Ebd., S. 191.

26 Ebd., S. 192–193.

27 Ebd., S. 191–192.

28 Markus Schroer: Räume, Orte, Grenzen, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2006, S. 177–178.

29 Vgl. Michael Fahlbusch/Mechthild Rössler/Dominik Siegrist: Geographie und Nationalsozialismus: 3 Fallbeispiele zur Institution Geographie im Deutschen Reich und der Schweiz, eingeleitet durch Hans-Dietrich Schultz, mit einem Anhang von Peter Jüngst und Oskar Meder, Kassel: Gesamthochschule 1989; Klaus Kost: Die Einflüsse der Geopolitik auf Forschung und Theorie der Politischen Geographie von ihren Anfängen bis 1945, Bonn: Dümmlers 1988; Mechthild Rössler: Wissenschaft und Lebensraum. Geographische Ostforschung im Nationalsozialismus. Ein Beitrag zur Disziplingeschichte der Geographie, Berlin, Hamburg: Reimer 1990.

30 Karl Haushofer: „Politische Geographie und Geopolitik“, in: Freie Wege vergleichender Erdkunde. Erich von Drygalski zum 60. Geburtstag gewidmet von seinen Schülern, München, Leipzig 1925, S. 87–103; vgl. Gerhard Sandner: „Deterministische Wurzeln und funktionaler Einsatz des ‚Geo‘ in Geopolitik“, in: WeltTrends 4 (1994), S. 8–20, hier S. 10.

31 M. Schroer: Räume, S. 176.

32 Vgl. Dietrich Bartels: „Einleitung“, in: Ders., Wirtschafts- und Sozialgeographie, Köln, Berlin: Kiepenheuer & Witsch 1970, S. 13–45; Gerhard Hard: „Zu Begriff und Geschichte der ‚Natur‘ in der Geographie des 19. und 20. Jahrhunderts“, in: Götz Grossklaus/Ernst Oldemeyer (Hg.), Natur als Gegenwelt. Beiträge zur Kulturgeschichte der Natur, Karlsruhe: von Loeper 1983, S. 141–167; Helmut Klüter: Raum als Element sozialer Kommunikation, Gießen: Geograph. Inst. d. Justus-Liebig-Univ. 1986; Benno Werlen: Gesellschaft, Handlung und Raum. Grundlagen einer handlungstheoretischen Sozialgeographie, Stuttgart: Steiner Verl. 1985.

33 B. Werlen: Sozialgeographie alltäglicher Regionalisierungen 2, S. 44.

34 Antje Schlottmann: „2-Raum-Deutschland – alltägliche Grenzziehung im vereinten Deutschland. Oder: Warum der Kanzler in den Ostern fuhr“, in: Berichte zur deutschen Landeskunde, 79, 2–3 (2005), S. 179–192. 35 Wolfgang Zierhofer: „State, Power and Space“, in: Social Geography 1 (2005), S. 29–36, hier S. 31.

36 Vgl. Roland Lippuner/Julia Lossau: „In der Raumfalle. Eine Kritik des spatial turn in den Sozialwissenschaften“, in: Georg Mein/Markus Rieger-Ladich (Hg.), Soziale Räume und kulturelle Praktiken. Über den strategischen Gebrauch von Medien, Bielefeld: transcript 2004, S. 47–63.

 

 

Julia Lossau ist seit Januar 2006 Juniorprofessorin für Kulturgeographie am Geographischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie beschäftigt sich mit Theorien und Methoden der sozial- und kulturwissenschaftlichen Geographie, insbesondere mit Prozessen der symbolischen Raumproduktion im städtischen Kontext.

Buchpublikationen u.a.: Die Politik der Verortung. Eine postkoloniale Reise zu einer anderen Geographie der Welt. Bielefeld: transcript 2002; Themenorte. Münster: LIT 2005 (hrsg. mit Michael Flitner, in zweiter Auflage 2006).