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Alle oder Keiner
Der Volkspalast 2042 - 2 Extrem-Szenarios








Szenario Alle  Szenario Keiner 
2042 wohnt jeder in einem freistehenden Einfamilienhaus, die gesamte Fläche der Bundesrepublik Deutschland ist Siedlungsfläche. Die Einwohnerdichte beträgt ca. 210 E/km². Jeder besitzt 1/75.000.000 von Deutschland und ein eigenes Einpersonenhaus.

Das Extrem-Szenario Alle verstärkt den Trend der heutigen Siedlungstätigkeit und erfüllt den Wohnwunsch der meisten Menschen in Deutschland.  
 2042 existieren nur noch Kernstädte mit einer Einwohnerdichte von ca. 4.750 E/km². Die Karte zeigt die zukünftig bestehenden Ballungsräume auf der Grundlage von heutigen Wanderungs- und Wachstumstrends. Jeder wohnt in einer eigenen Wohnung in einem Mehrpersonenhaus.

Das Extrem-Szenario Keiner stellt das gegenläufige Extrem dar, es ist eine Reaktion auf steigende Energiepreise, Flächenverbrauch, Überalterung der Gesellschaft, überhitzter Immobilienmarkt etc.. 
   

 

Die beiden Extrem-Szenarios sind nicht als eine positive und negative Zukunft zu verstehen, sondern als zwei von vielen möglichen Zukünften. Die Szenarios verarbeiten zum einen heutige architektonische Trends aber auch kulturelle Trends wie zum Beispiel den Energieverbrauch, die zunehmende Individualisierung oder Technisierung. Die Szenarios sind als Beitrag auf der Suche nach neuen städtebaulichen Strategien, die sich mit den Problemen der heutigen Siedlungstätigkeit wie zum Beispiel den Flächenverbrauch auseinandersetzen, zu verstehen.

 

Damit 2042 jeder der 75.000.000 Einwohner von Deutschland ein eigenes Einpersonenhaus bewohnen kann, müssten rund 64.000.000 neue Einpersonenhäuser errichtet werden.

Dagegen müssten rund 4.760.000 neue Mehrpersonenhäuser errichtet werden, damit jeder in einer eigenen Wohnung leben kann.

Heute ist jeder 13. Arbeitnehmer in der Bauwirtschaft beschäftigt, die Bautätigkeit würde einen gewaltigen Aufschwung der Volkswirtschaft bewirken.

 

Neben den Kosten für die Errichtung von Wohngebäuden sind besonders die nötige Mobilität und Infrastruktur ausschlaggebende Kostenfaktoren.

 

Der weltweite Ölverbrauch von heute beträgt 86 Millionen Barrel pro Tag, schon bis zum Jahr 2030 könnte dieser auf 118 Millionen Barrel steigen, ein Zuwachs von 37 %. Der Preis für ein Barrel Öl könnte leicht von heute zwischenzeitlich über 75 US-Dollar bis 2030 auf rund 100 US-Dollar steigen. Die Preise werden maßgeblich von der rasch steigenden Nachfrage in China beeinflusst.

Die Siedlungstätigkeiten der beiden Szenarios begegnen diesem Problem damit, dass die Mobilität auf ein Minimum reduziert wird. Keiner hat mehr einen eigenen Pkw. Die 75.000.000 Einpersonenhäuser sind nahezu autark und müssen von den Bewohnern nicht mehr verlassen werden. Die Dichte der Mehrpersonenhäuser dagegen bietet die besten Vorraussetzungen für ein dichtes Netz von öffentlichen Verkehrsmitteln. Zwischen den Ballungsräumen werden die Strassen- und Bahnverbindungen auf wenige nötige Verbindungen rückgebaut.

 

Die Errichtung und Instandhaltung der nötigen Infrastruktur ist nur rentabel bzw. möglich, wenn diese von entsprechend vielen Menschen genutzt wird. Alleine die geschätzten Kosten zur Sanierung der Ver- und Entsorgungs-Infrastruktur beträgt heute rund 45 Milliarden Euro. In ländlichen Gebieten ist schon heute ein Rückbau der Infrastruktureinrichtung bemerkbar, so zum Beispiel die Schließung von Krankenhäusern.

Die Siedlungstätigkeiten der beiden Szenarios begegnen diesem Problem auf unterschiedliche Art und Weise. Die nahezu autarken Einpersonenhäuser benötigen keine öffentliche oder gemeinschaftlich genutzte Infrastruktur mehr, diese wird bei den Mehrpersonenhäusern wiederum über deren Dichte und damit die hoch frequentierte Benutzung wieder rentabel.

 





Jedes Grundstück erhält einen „Winkel“ Straße, so dass 4 Grundstücke zusammen einen Block ergeben.


 
Die Anordnung der Mehrpersonenhäuser ist nach den Abstandsflächen mit der Hälfte der Höhe optimiert, dies führt zu der Rautenform der Grundstücke. Die Blocks sind flächenmäßig ein wenig kleiner als die des Szenarios Alle. Auf jedem Block befinden sich 25 Mehrpersonenhäuser, in diesen wohnen 250 Personen, so dass rund 62-Mal so viele Personen wie in dem Szenario Alle auf einem Block zusammen wohnen.

 




Jedes Grundstück ist ca. 4.700 m² groß, die Flächenverteilung orientiert sich an der heutigen Nutzung der Bundesrepublik.
 
Jedes Mehrpersonenhaus wird über einen umlaufenden Fußweg erschlossen, die Freiflächen zwischen den Gebäuden werden als Grünfläche genutzt und stehen zur öffentlichen Nutzung bereit.


 




Die ökologische Belastung durch die Versiegelung von Flächen (zum Beispiel Erschließungsstraßen) hat schon heute ein problematisches Ausmaß angenommen. Knapp die Hälfte des Wachstums der Verkehrsflächen ist auf den Bau von Erschließungsstraßen für neue Siedlungsgebiete zurückzuführen. Damit verursacht das Wachstum der Siedlungsflächen direkt oder indirekt rund 90 Prozent der gesamten Flächeninanspruchnahme. Die Versiegelung führt unter anderem zur Zerstörung der Bodenfunktion und der natürlichen Lebensräume.

Im Folgenden sind die heutigen Flächennutzungen und die der Szenarien dargestellt:

 

 


Flächennutzung Deutschland 2006   Flächennutzung Szenario Alle   Flächennutzung Szenario Keiner  
        
Verkehr 4,89 %  Verkehr 5,71 %  Verkehr % 3,10 % 
Gebäude- und Freiflächen 6,70 %  Gebäude- und Freiflächen 5,50 %  Gebäude- und Freiflächen 3,42 % 
Davon Wohnen 3,16 %  Davon Wohnen 1,80 %  Davon Wohnen 0,75 % 
Davon Gewerbe 1,92 %  Davon Energieerzeugung 1,89 %  Davon Gewerbe 1,92 % 
Landwirtschaft 53,00 %  Landwirtschaft 52,33 %  Landwirtschaft 53,00 % 
Wasser 3,00 %  Wasser 3,23 %  Wasser 3,00 % 
Wald 30,00 %  Wald 31,51 %  Wald 36,00 % 
Erholung 0,92 %  Erholung 0,95 %  Erholung 0,92 % 

 

 

Das Einpersonenhaus benötigt im Vergleich zu heute knapp 20 % mehr Verkehrsfläche obwohl die Straßen nur für den minimalen Restverkehr benötigt werden, zum Beispiel eine minimale Rohstoffzufuhr und –abfuhr und ein Kinder-Shuttle. Die Gebäude- und Freiflächen konnten dagegen reduziert werden. Jedes Grundstück verfügt über eine minimale Tierzucht und dazugehörig eine Anbaufläche für Futtermittel, ein Stück Wald, eine Wasserfläche sowie Flächen für Erholung (Bolzplatz mit Torwand), außerdem Anbauflächen für Obst, Gemüse und Getreide und ein Gewächshaus, in dem verschiedene Klimate erzeugt werden können und somit je nach Belieben zum Beispiel Südfrüchte angebaut werden können. Somit kann sich jeder selbst mit allen notwendigen Dingen versorgen. Diese Flächenaufteilung ist Bestandteil der Grundausstattung, es können verschiedene Sonderaustattungen sowie Sonderwünsche realisiert werden.

Das Mehrpersonenhaus benötigt dagegen nur noch zwei Drittel der heutigen Verkehrsflächen und die Gebäude- und Freiflächen für Wohnen konnten um drei Viertel reduziert werden. Die frei gewordenen Flächen werden renaturiert. Die Freiflächen zwischen den Gebäuden stehen den Bewohnern zur Verfügung.

 

Weltweit wird der Energieverbrauch schon bis zum Jahr 2030 um rund 70 % ansteigen. Heute verbraucht ein Einfamilienhaus durchschnittlich im Jahr ca. 202 kwh/m² und eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus ca. 145 kwh/m².

Das Einpersonenhaus ist ein autarkes Null-Emissionen-Haus. Bei ca. 73m² Wohnfläche (brutto) würde der Energieverbrauch bei ca. 14.750 kwh/a liegen. Dieser wird primär durch zwei Windräder mit einer Leistung von je 8 kw Leistung (8.000 kwh/a) gedeckt werden. Ergänzend hierzu werden 12 (insgesamt ca. 9.800 kwh/a) Flachkollektoren aufgestellt, in Verbindung mit einem 1000 l Wasserspeicher, einem Stromspeichermodul und einer Erdwärmetauschanlage wird die Klimatisierung und Warmwasserversorgung gewährleistet werden. Darüber hinaus werden mit diesen Stromerzeugern auch sämtliche anderen Automaten betrieben.

Das Mehrpersonenhaus spart demgegenüber durch die reduzierte Oberfläche Energie, außerdem benötigt dieses Wohnmodell keinerlei Automaten. Der Energieverbrauch ist also ohne weiteren Aufwand weitaus niedriger.

 

Die derzeitigen demographischen Entwicklungen wie der Rückgang der Geburten, die Steigerung der Lebenserwartung und die Abnahme der Zuwanderung führen vereinfacht ausgedrückt zu einer Alterung der Gesellschaft. Dieser oft als negativ bezeichnete Trend kann bei entsprechender Betrachtung auch durchaus positive Folgen haben, so zum Beispiel eine höhere Beschäftigungsquote. Daneben könnte der Trend zur Individualisierung und zu Wahlverwandtschaften bis 2042 dazu führen, dass es nur noch Einpersonenhaushalte gibt. Denn schon bis 2020 könnten Haushalte mit einem Haushaltsvorstand unter 45 Jahren und 3 und mehr Personen um rund 25 % schrumpfen, diese Haushalte stellen heute die größte Gruppe von Hausbesitzern dar. Dagegen nehmen besonders die Einpersonenhaushalte mit Haushaltsvorständen über 45 Jahren in dem gleichen Zeitraum um rund 20 % zu. Für die Wohnungstypen der beiden Szenarien setzten diesen Trend um, indem es nur noch Häuser und Wohnungen für eine Person gibt.

Die Unterstützung von älteren Menschen bei der Verrichtung des Alltäglichen wird aufgrund der Auflösung der klassischen Familienstrukturen schon heute verstärkt von Dienstleistern und technischen Hilfsmitteln übernommen. Das Szenario Alle benötigt für diese Aufgabe eine Reihe von Automaten, während bei dem Szenario Keiner diese Aufgabe im Rahmen einer Nachbarschaftshilfe geleistet wird.

 



Die Grundrissorganisation ist eine Weiterentwicklung des Bungalow 78. Der Bungalow 78 war am 14.11.2005 das preisgünstigste freistehende Einfamilienhaus in Deutschland, und dient im Rahmen der Szenarien als typologische Grundlage. Dieses aufgrund der Hypothese, dass dieser die Minimal-Anforderungen der Bauherren erfüllt. Das Einpersonenhaus bietet alle nötigen Räumlichkeiten für eine nahezu autarke Lebensführung. Das Wohnzimmer ist mit einer elektronischen Tapete ausgekleidet und mittels eines Terminals gelangt man in den Cyberspace, hier findet Gemeinschaft statt. Man trifft seine Wahlverwandtschaft, Freunde oder Lebensabschnittsgefährten, hat man keine Lust mehr auf Gemeinschaft, schaltet man ab. Kinder werden per In-vitro-Fertilisation und Brutmaschine zur Welt gebracht, später können sie per Kinder-Shuttle zwischen Mutter und Vater pendeln. Über das German-Neighbourhood-Watch wehrt man sich gegen Einbrecher und Gesindel, oder man schaut einfach mal wie es bei den anderen vor der Haustür aussieht. Außerdem kann man sich die Daten für ein neues Kleidungsstück herunterladen und dieses dann mit dem 3D-Drucker ausdrucken. Dieser steht neben anderen Automaten, zum Beispiel zur Lebensmittelverarbeitung, im Maschinenraum neben der Küche. 

Die Grafik zeigt die 10 Wohnungen in dem Mehrpersonenhaus. Die Wohnungen sind ebenfalls für nur eine Person ausgelegt. Jede Wohnung bietet dem Bewohner die maßgeblichen Qualitäten eines freistehenden Einfamilienhauses: Jede Wohnung besitzt einen ebenerdigen und eigenen Eingang mit einem Vorgarten. Jede Wohnung besitzt eine eigene Fassade und Dachfläche, die ebenfalls den persönlichen Vorlieben entsprechend gestaltet werden können. Diese Eigenschaften bieten zum einen ein Minimum an eigenem Garten und somit die Nähe zur Natur und zum anderen die Möglichkeit die eigene Persönlichkeit nach Außen hin auf einer eindeutig isolierbaren und somit identifizierbaren Fläche zu Präsentieren. Diese Eigenschaften leiten sich aus der Behauptung des Volkspalastes Einfamilienhaus ab. Jede Wohnung wird im Erdgeschoss betreten und man fährt mit dem Aufzug in die Wohnung, die sich auf einem Geschoss befindet. Der Aufzug hat für Jede Wohnung eine Tür, so dass man nie jemanden im Aufzug trifft. Die Wohnung ist um den Aufzugsschacht herum organisiert und besitzt eine ähnliche räumliche und technische Ausstattung wie heutige Wohnungen. Die Gemeinschaft und das alltägliche Leben finden vornehmlich Draußen und zu Fuß statt. 








 

 

Der Bungalow 78

 

Der Bungalow dient im Rahmen des Projektes als Minimal-Volkspalast. Der Volkspalast Einfamilienhaus baut unter anderem auf der aktuellen gesellschaftlichen Tendenz hin zu einer immer mehr individualisierten Gemeinschaft, bestehend aus einer Reihe von Kleinstvölkern, die sich temporär über verschiedene Gemeinsamkeiten definieren, auf und ist somit der Palast des Volkes Kleinfamilie, gemäß dem Motto: „my home is my castle“.

Der Volkspalast Einfamilienhaus ist ein Konsumobjekt mit einer Reihe von dazugehörigen Ausstattungsmöglichkeiten und Dienstleistungen. Der Volkspalast Einfamilienhaus bietet dem Eigentümer eine abstrakte Freiheit. Der Volkspalast Einfamilienhaus ist ein privater Raum mit Innen- und Außenräumen und daran gebunden einer Reihe von Oberflächen mit einem relativ großen Abstand zu den Anderen. In diesen Räumen und auf den Oberflächen findet eine Präsentation des persönlichen und mehr oder weniger individuellen Gestaltungswillen und des persönlichen Erfolges statt. Dies hat einen Anstieg des persönlichen Prestiges in dem sozialen Umfeld zum Ziel. In den Räumen findet hauptsächlich mittels der Telekommunikation ein Kulturkonsum statt, dieser aber auch in Form von Fertiggerichten. Der Außenraum in Form des Gartens bietet den Bewohnern durch die Nähe zur Natur eine Quelle der Gesundheit. Das letzte sehr entscheidende Element des Volkspalastes Einfamilienhaus ist die Funktion als sichere Umwelt für den Nachwuchs, sowohl im Innenraum als auch im Außenraum.

 


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