



1) Ich
Von dem, was wir unsere Psyche (Seelenleben) nennen, ist uns zweierlei bekannt, erstens das körperliche Organ [...], andererseits unsere Bewußtseinsakte, die unmittelbar gegeben sind [...].
Die hauptsächlichen Charaktere des Ichs. Infolge der vorgebildeten Beziehung zwischen Sinneswahrnehmungen und Muskelaktion hat das Ich der Verfügung über die willkürlichen Bewegungen. Es hat die Aufgabe der Selbstbehauptung, erfüllt sie, indem es nach außen die Reize kennenlernt, Erfahrungen über sie aufspeichert (im Gedächtnis), überstarke Reize vermeidet (durch Flucht), mäßigen Reizen begegnet (durch Anpassung) und endlich lernt, die Außenwelt in zweckmäßiger Weise zu seinem Vorteil zu verändern (Aktivität); nach innen gegen das Es, indem es die Herrschaft über die Triebansprüche gewinnt, entscheidet, ob sie zur Befriedigung zugelassen werden sollen, diese Befriedigung auf die in der Außenwelt günstigen Zeiten und Umstände verschiebt oder ihre Erregung überhaupt unterdrückt.
Sigmund Freud, Abriss der Psychoanalyse
2) Über-Ich
Als Niederschlag der langen Kindheitsperiode, während der der werdende Mensch in Abhängigkeit von seinen Eltern lebt, bildet sich in seinem Ich eine besondere Instanz heraus, in der sich dieser elterliche Einfluß fortsetzt. Sie hat den Namen des Über-Ichs erhalten. Insoweit dieses Über-Ich sich vom Ich sondert oder sich ihm entgegenstellt, ist es eine dritte Macht, der das Ich Rechnung tragen muß.
Sigmund Freud, Abriss der Psychoanalyse
3) Es
Die älteste dieser psychischen Provinzen oder Instanzen nennen wir das Es: sein Inhalt ist alles, was ererbt, bei Geburt mitgebracht, konstitutionell festgelegt ist, vor allem also die aus der Körperorganisation stammenden Triebe, die hier (im Es) einen ersten uns in seinen Formen unbekannten Ausdruck finden.
Sigmund Freud, Abriss der Psychoanalyse
4) A priori
Folglich steht alle Synthesis, wodurch selbst Wahrnehmung möglich wird, unter den Kategorien, [...], so sind die Kategorien Bedingungen der Möglichkeit der Erfahrung und gelten also a priori auch von allen Gegenständen der Erfahrung.
Immanuel Kant, KdrV B161
Die Sorge liegt als ursprüngliche Strukturganzheit existenzial-apriorisch „vor“ jeder, das heißt immer schon in jeder faktischen „Verhaltung“ und „Lage“ des Daseins. Das Phänomen drückt daher keineswegs einen Vorrang des „praktischen“ Verhaltens vor dem theoretischen aus. Das nur anschauende Bestimmen eines Vorhandenen hat weniger den Charakter der Sorge als eine „politische Aktion“ oder das ausruhende Sichvergnügen. „Theorie“ und „Praxis“ sind Seinsmöglichkeiten eines Seienden, dessen Sein als Sorge bestimmt werden muß.
Martin Heidegger, Sein und Zeit
5) Habitus
[...] weil ein jedes empirisches Interesse durch die Annehmlichkeit, die etwas nur gewährt, es mag nun unmittelbar und ohne Absicht auf Vorteile oder in Rücksicht auf dieselben geschehen, einen Beitrag zum Wohlbefinden verspricht.
Grundlegung zur Metaphysik der Sitten
Der Habitus ist im Ich, angepaßt an das soziale Feld, auf welchem er zum Einsatz kommt. Er beschreibt die Haltung des Individuums in der sozialen Welt, seine Dispositionen, seine Gewohnheiten, seine Lebensweise, seine Einstellungen und seine Wertvorstellungen. Zum Vorschein kommt der Habitus nicht bewußt, sondern er ist unbewusst an die äußeren Zwänge von klein auf angelernt, so weit, daß das Individuum die Herkunft des Habitus nicht mehr nachvollziehen kann.
In den Dispositionen des Habitus ist [...] die gesamte Struktur des Systems der Existenzbedingungen angelegt, so wie diese sich in der Erfahrung einer besonderen sozialen Lage mit einer bestimmten Position innerhalb dieser Struktur niederschlägt. Die fundamentalen Gegensatzpaare der Struktur der Existenzbedingungen (oben/unten, reich/arm, etc.) setzen sich tendenziell als grundlegende Strukturprinzipien der Praxisformen wie deren Wahrnehmungen durch.
Pierre Bourdieu, die feine Unterschiede
Da der Habitus das inkorporierte Soziale ist, ist er auch in dem Feld „zu Hause“, in dem er sich bewegt und das er unmittelbar als sinn- und interessenhaltig wahrnimmt.
Pierre Bourdieu, Reflexive Soziologie
6) Raum & Zeit
Der Raum stellt gar keine Eigenschaften irgend einiger Dinge an sich, oder sie in ihrem Verhältnis auf einander vor, d. i. keine Bestimmung derselben, die an Gegenständen selbst haftete, und welche bliebe, wenn man auch von allen subjektiven Bedingungen der Anschauung abstrahierte.
Der Raum ist nichts anderes, als nur die Form aller Erscheinungen äußerer Sinne, d.i. die subjektive Bedingung der Sinnlichkeit, unter der allein uns äußere Anschauung möglich ist. Wir können demnach nur aus dem Standpunkte eines Menschen, vom Raum, von ausgedehnten Wesen usw. reden.
Immanuel Kant, KdrV A26, B42
Weil wir die besonderen Bedingungen der Sinnlichkeit nicht zu Bedingungen der Möglichkeit der Sachen, sondern nur ihrer Erscheinungen machen können, so können wir wohl sagen, daß der Raum alle Dinge befasse, die uns äußerlich erscheinen mögen, aber nicht alle Dinge an sich selbst, sie mögen nun angeschaut werden oder nicht, oder auch von welchem Subjekt man wolle.
Immanuel Kant, KdrV A27, B43
Räume sind stets neu zu produzierende und reproduzierende (An) Ordnungen, welche nicht nur aus platzierten Gütern und gebauten Materialien bestehen, sondern den Menschen in einem über Wahrnehmung und Kognition verlaufenden Syntheseprozess einbinden. Identitätszuschreibung erfolgt über die Eingliederung in Räume sowie umgekehrt Raum nicht von der Aktivität des Konstituierens und damit von einer Handlungspraxis losgelöst werden kann. Auf die Formel gebracht heißt das: Räume sind stets neu zu konstituierende relationale (An) Ordnungen sozialer Güter und Lebewesen. Ihre Konstitution basiert auf zwei, in der Regel aufeinander folgenden Prozessen der Syntheseleistung, also der Verknüpfung wahrgenommener oder vorgestellter sozialer Güter wie auch Lebewesen zu einem Ganzen, das sich als Raum formiert, und einer Platzierungspraxis jener Güter und Lebewesen, genannt Spacing.
Martina Löw, Raum - Die topologische Dimension der Kultur
7) Begriffe
Die Fähigkeit (Rezeptivität), Vorstellungen durch die Art, wie wir von Gegenständen affiziert werden, zu bekommen, heißt Sinnlichkeit. Vermittels der Sinnlichkeit also werden uns Gegenstände gegeben, und sie allen liefert uns Anschauungen; durch den Verstand aber werden sie gedacht, und von ihm entspringen die Begriffe.
Immanuel Kant, KdrV A19/20, B33/34
8) Handeln
Die Freiheit, nur die Freiheit allein, macht, daß wir Zweck an sich selbst sind. Hier haben wir Vermögen, nach unserem eigenen Willen zu handeln.
Immanuel Kant, Akad.Ausg. Bd. 27
Eine Handlung des Ichs ist dann korrekt, wenn sie gleichzeitig den Anforderungen des Es, des Über-Ichs und der Realität genügt, [...].
Sigmund Freud, Abriss der Psychoanalyse 
Christian Dorsch , Liv Gnutzmann, Silke van t'Hoen, Jürgen Lehmeier, Caroline Münster, Christian Posthofen, Rene Rissland, Xiaolong Sun.
Christian Posthofen leitet am Masterstudiengang im jetzt dritten Semester das Seminar "Theorie und Praxis". Ziel des Seminars ist kein geringeres, als von der Philosophie kommend die erkenntnistheoretische Grundlage für konkretes (eigen-) verantwortliches Entscheiden und Handeln zu legen. Das Seminar ist im bisherigen Verlauf von Kant über Freud widerspruchsfrei zu Bourdieu gelangt und ist zuversichtlich, im nächsten Semester mit Hilfe von (u.a.) Platon letzte Unstimmigkeiten in der Gesamtkonstruktion zu klären. 

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