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Maren Polte

Lobbying und Raumproduktion

Eine anonyme Macht verändert die Stadt?

 

Industrie, Firmen, Verbände, NGOs, sie alle suchen die Nähe zur Politik — Lobbying. Der so genannten Interessensvertretung eilt ein schlechter Ruf voraus. Politik und Lobbying, Entscheidung und Beeinflussung stehen in einem eitlen Verhältnis, das einem ständigen Misstrauen der Unbeteiligten ausgesetzt ist. Es ist eine symbiotische Beziehung, die nirgendwo so gut zu beobachten ist wie in Brüssel. Hier trifft der global potenteste Wirtschaftsblock der 500 Millionen seine zentralen Beschlüsse unter ständiger Beobachtung von einem Heer von Interessensvertretern und Consultants. Das gedrängte Beeinander der beiden Mitspieler hat sich über ein halbes Jahrhundert architektonisch ausgeprägt. Die urbanistische Konsequenz erzählt viel über ihr Verhältnis und ist dabei nicht nur auf Grund der gewachsenen Strukturen eine Kontrafaktur zur Konzeptgestaltung des Berliner Regierungsviertels.

 

 

Maren Polte ist Kunsthistorikerin. Sie magistrierte über die Inszenierung kollektiver Spuren im Werk von Christian Boltanski und promovierte mit einer Arbeit zu den Fotografien der so genannten „Becher-Schule“. Bis 2006 war sie wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl von Prof. Horst Bredekamp an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2009 hatte sie eine Gastprofessur in Kunstgeschichte an der Katholieke Universiteit Leuven, Belgien und arbeitet für die politische Repräsentanz des schwedischen Technologiekonzerns Saab AB in Brüssel. Ihre Schwerpunkte in Forschung wie Lehre sind moderne und zeitgenössische Kunst sowie Fotografie.